Frühgeschichte & Brandwesen vor der Gründung (bis 1921)
Den mittelalterlichen Städten, dichtgedrängt in ihrer Bauweise, standen nur primitive Mittel zur Feuerbekämpfungzur Verfügung. Eine Feuersbrunst innerhalb der Stadtmauern von Gera wurde zur verheerenden Katastrophe.
Der sogenannte „Große Brand“ von Gera im Jahre 1780 ist dafür ein tragisches, unvergessenes Beispiel. Durch Brandstiftung verursacht, brannte die gesamte Stadt in wenigen Stunden fast restlos nieder. 12 Menschen, 785 Häuserund alle Hauptgebäude wurden innerhalb dreier Stunden Opfer der Flammen. Machtlos standen die Menschen dem Feuer gegenüber, verließen nur mit dem Allernötigsten fliehend die versinkende Stadt.
Diese Ohnmacht der Menschen veranlasste auch unsere großen Dramatiker zur dichterischen Darstellung. Friedrich Schiller hat solchen Katastrophen in dem gewaltigen Werk „Die Glocke“ ein bleibendes Andenken gesetzt.
Bestimmt hat das traurige Brandunglück in Gera dazu beigetragen, den Brandschutz in den Städten und Dörfernwesentlich zu verbessern, so auch in unserer näheren Heimat.
Einer Zeitungsnotiz von 1796 über einen Brand in Weißig können wir bereits entnehmen, dass tausende Menschen mit Spritzen und Geräten zum Unglücksort eilten – da taten alle viel, „doch niemand von den Fremden so viel, wie die Gemeinde Liebschwitz mit ihrer vortrefflichen Spritze, die die erste beim Feuer war und öffentliches Lob verdiente.“
So lesen wir, dass schon damals Liebschwitzer Feuerwehrleute einsatzbereit waren, um den in Feuersnot geratenen Menschen zu helfen. Die Spritze stand damals im Lietzscher Spritzenhaus, da Lietzsch mit zum Feuerlöschverband mehrerer umliegender Orte zählte. Auch konnten Brände von dort oben leichter wahrgenommen und erreicht werden. Alte Tagebücher und Zeitungen erinnern daran, dass in den Dörfern der Gegend in jener Zeit der rote Hahnsehr oft seinen Zoll forderte – so beim Brandunglück 1806 in Oberliebschwitz, bei Bränden von Bauerngütern, Mühlen und Scheunen und in den Nachbarorten, zum Beispiel 1852, da etwa 30 Gebäude niederbrannten, das traurige Fazit nur eines Jahres.
Erwähnenswert scheint die Löschordnung von 1872, die uns erhalten ist. Sie zeigt eine einfache, klare Organisationdes damaligen Feuerlöschwesens. Zum Löschbezirk gehörten die Orte Liebschwitz, Taubenpreskeln, Lietzsch, Lengefeld, Niebra und Pösneck. Alle männlichen Personen waren zur Hilfeleistung verpflichtet. Je 4–8 Güter oder Häuser hatten Geräte zur Verfügung zu stellen; Läufer zur Benachrichtigung der Orte waren benannt, die Schullehrer hatten das Sturmläuten zu besorgen, wofür es eine eigene Läuteordnung gab. Diese Läuteordnung war amtliches Gesetz und von der Königlichen Sächsischen Kreisdirektion Zwickau bestätigt.
In diesen Jahrzehnten ist von Bränden in unserer Ortschaft nur wenig aufgezeichnet, so vom Spinnereibrand 1894, dem Großbrand 1906 in der Zoitzmühle, der das Hauptgebäude sowie große Mengen Getreide und Mehlvorrätevernichtete. 1912 brannte die sogenannte „Untere Schänke“ in Neutaubenpreskeln ab, 1914 das Pensoldsche Haus am Fuße des Schulberges, wo 1920 das Doppelhaus Salzstraße 141/143 erbaut wurde. Weitere kleinere Brände ereigneten sich in der Zoitzmühle und in der Schmiede Otto Zipfel.
Wie sah es in jenen Jahren in unserem Ort mit dem Feuerschutz aus? Er war der Zeit entsprechend recht rückständig. Der jahrelange Erste Weltkrieg mit seinen schweren Lasten für das Land, die Rückständigkeit eines überalterten Gemeinderates u. a. mögen dazu beigetragen haben.
Das Kommando unter der Leitung des Maurers und Kleinbauern Otto Burgold tat seine Pflicht, doch bei einem erneuten Brand 1920 in der Zoitzmühle bot sich ein trauriges Bild. Weder die Handdruckspritze von Lietzsch noch unsere, in der Pfarrscheune untergebrachte Spritze, funktionierten ordentlich, die Schläuche ließen Wasser durch und platzten – ein untragbarer Zustand.


